Short Biography JIANG Sanshi

蔣三石簡歷

JIANG Sanshi (CHIANG San-shih), B.A. in Philosophy (Fu Jen University), M.A. in Oriental Humanities (Huafan University). Since1999 she has developed a unique style of contemporary ink painting. In Europe and Taiwan she has turned stream rocks, forests, or beach sand into her painting table, and grass, leaves or branches into brushes, while light, clouds and natural sounds all participate in a responsive process of creation. She has held solo and group exhibitions in Taiwan, on the Chinese mainland and in Germany.

1972 Born in Kaohsiung, Taiwan.

1995 1998 B.A. Department of Philosophy, Fu Jen University, Taipei.

M.A. Graduate School of Asian Humanities, Huafan University, Taipei.

Lives and works in Taipei, Taiwan and Frankfurt am Main, Germany.

Solo Exhibitions

2010 Wistaria Tea House (Taipei); STARTS-Studio (Taipei)

2011 Tai Yu Arts & Humanities (Chiayi)

2014 “CHIANG San-shih. Gebrochene Kontinuität: Zeitgenössische Berg-Wasser-Malerei”, Neuer Kunstverein Gießen

2017 “Das Malen der Wandlungen”, Piaopiao Gallery (Taipei)

2023 “The parallel worlds”, Art Revolution Taipei 2023

2024 “Visual Awareness: Another Way of Seeing”, per van der horst gallery (Taipei)

2024 “Heterodimension”, Art Revolution Taipei 2024

2024 “Non-law is not no law”, Espace Devenir (Hsinchu)

Collective Exhibitions

2011 “Contemporary Bland Painting”, Shupu-Museum (Beijing)

2013 “Human Landscape”, National Chung Cheng University (Chiayi)

2014 “Empty Cold and Silent”, Soka Art Center (Taipei)

2016 “Auftauchen an einem anderen Ort – Jiang Sanshi und Martin Gensbaur”, Kunstfenster Dießen (Dießen)

2016 “Ways of Nature in Art. Between Photography and Ink-Painting – Works by Andreas Walther and Jiang Sanshi”, Lugang Art Center (Lugang)

2017 “Natur(en)”, Kultur im Zentrum (Gießen)

2017 “Auftauchen an einem anderen Ort (II) – Jiang Sanshi und Martin Gensbaur”, Abtei Venio (München)

2018 “De-Construction and Re-Construction. New Contemporary Painting in Taiwan”, Soka Art Taipei (Taipei)

2019 “Numerous Hills and Streams with Love”, Charity Exhibition, Chan Liu Art Meseum (Taipei).

2019 “Von Resonanz und Atem”, Giessen Civic Art Space (KiZ) (Gießen)

2020 “Be Present: Jing-Pai Art 2020 Taiwan”, IT PARK Art House (Taipei)

2025 “Breathing Rhythms‧Empty Fullness”, YIYUN ART (Taipei)

2025 “Löcher im Licht”, Kunstfenster Dießen (Dießen)
2026 “Andreas Walther & Jiang Sanshi”, RAUM FÜR KUNST UND NATUR (Bonn)

2026 “Natur(en) II”, Kultur im Zentrum (Gießen)

蔣三石,輔大哲學、華梵東方人文思想研究所畢。自幼便接觸書畫藝術,1999 年始,在歐洲與台灣的自然山水間進行水墨創作。台北新店溪邊、德國森林、希臘海灘,都是三石水墨的自然畫室,石頭、土地、沙灘可以是桌案,草葉樹枝可以是畫筆,光影雲煙自然樂音都是創作參與者。於台灣、中國大陸、德國等地辦過個展及聯展。

1972 生於高雄

1995 畢業於輔仁大學哲學系

1998 畢業於華梵大學東方人文思想研究所

目前生活工作於台灣台北和德國法蘭克福

個展

2010 台北紫藤廬 / 時空藝術會場「石上水墨─蔣三石水墨創作首展」雙個展

2011 嘉義泰郁美學堂「化氣以淡─蔣三石抽象山水個展」

2014 德國吉森新藝術協會「斷裂與連續─蔣三石當代山水畫」

2017 台北一票人票畫空間「畫化」

2023 台北新藝術博覽會2023「平行世界」

2024 賀裴爾藝術空間「視。覺 | 另一種看見」

2024 台北新藝術博覽會2024「異次元」

2024 新竹金變堂藝術空間「非法非非法」

聯展

2011 北京宋莊「當代平淡繪畫展」

2013 嘉義中正大學「人文風景」

2014 台北索卡藝術中心「空寒與默化」

2016 德國迪森藝術之窗「在另一個地方出現」

2016 鹿港藝文館「墨影自然——水墨與攝影之間」

2017 德國吉森市民藝術空間「自然(們)」

2017 德國慕尼黑維尼奧修道院「在另一個地方出現」

2018 台北索卡藝術中心「破譯與重塑——台灣當代新繪畫」

2019 台北長流美術館「千山萬水愛相隨」慈善聯展

2019 德國吉森市民藝術空間「氣與感」

2020 台北伊通公園「在場——二零二零台灣境派藝術」

2025 台北異雲書屋「氣韻‧虛實」

2025 德國迪森藝術之窗「光中之洞」
2026 德國波恩藝術和自然空間「華安瑞和蔣三石」

2026 德國吉森市民藝術空間「自然(們)II」

Ob im Wald nahe Eppstein oder am
Orchideenbach im Süden Taipeis: ich arbeite in der Natur. Bevor ich mit dem Malen beginnen kann, benötige ich eine längere Zeit des Alleinseins an einem dieser Orte, um zu lassen und um mich leer zu machen von den üblichen Forderungen des Alltags.

我是在大自然裡創作,不管是在德國艾普斯坦的森林或是新店的蘭溪。我需要較長的時間在那場境裡面獨處,放空。

Das Papier lege ich auf den Waldboden oder auf einen Stein. Häufig gebrauche ich örtliche Materialien: ich spritze Bachwasser auf das Papier und lasse das Moos des Steins von unten auf das Papier wirken, oder nutze herabgefallenes Laub, um verschiedene Muster auf das Papier zu drucken. Eine solche Arbeitsweise hat ihre Einzigartigkeit, weil sie ein enges Wechselverhältnis mit der Natur an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit verlangt.

將紙擺放在土地或石頭上,運用當地的素材:或是潑灑溪水讓石上苔蘚作用,或是用樹葉拓印出各種紋理效果。這種創作過程有它自己的獨特性,亦即與當下的場境彼此交互影響,也包含我當時如何與自然互動。

Manchmal spritze ich zunächst Wasser und Tusche über das auf einem großen Stein liegende Papier. Auf diese Weise verbindet sich die bemooste Oberfläche des Steins mit dem Papier und es entstehen erste Wandlungen. Dann lasse ich das Papier in der Sonne trocknen, betrachte es und überlege wie der Vorgang weitergehen könnte.

或許我先在紙上潑灑水墨,讓石上的苔蘚開始在紙上產生暈染變化,再任陽光將其曬乾,之後再觀察可以如何繼續。

Das ist ein ganz unbeschwerter Vorgang, bei dem es nicht darum geht, schnell zu Ergebnissen zu kommen. Vielmehr betrachte ich aufmerksam die sich auf dem Papier ergebenden Wandlungen und lasse mich von ihnen inspirieren. Wohin leiten sie mich? Oder: wohin kann ich sie leiten? Es bildet sich ein dialogisches Hin-und-Her zwischen den beiden Momenten.

這是一個很自在的過程,沒有一定要馬上完成,在過程中我觀察紙上的變化給了我什麼靈感。它要引導我什麼?或是我繼續引導它?是一個來回往復的對
話。

Häufig denke ich kaum daran, daß ich malen möchte, sondern widme mich zunächst Anderem: ich lege mich hin, schlafe vielleicht eine Weile, lese, trinke Tee, füttere die Bachfische... Die Suche nach Möglichkeiten, mich von verfestigten Gewohnheiten zu lösen, ist eine wichtige Arbeit der Selbstbeobachtung und Selbstbesinnung, die mit dem Malvorgang einhergeht. Denn sobald sich eine klare Vorstellung von dem einstellt, was man tun möchte, treten mit der Fixierung auf bestimmte Ziele auch die eigenen Gewohnheiten als hinderlich hervor.

經常我並不會特別想到我要畫畫,可能先睡個覺、看書、喝茶、餵魚......。當人很清楚想要去作一件事的時候,目的本身就會帶領自己的習慣,所以如何擺脫慣性成為我繪畫過程中很重要的覺察工作。

Der für die Tuschemalerei gebrauchte weiche Pinsel ist ein außerordentlich empfindliches Arbeitsgerät. In jeder Linie zeigt sich unweigerlich der eigene, momentane Zustand, aber auch die Gewohnheiten vergangener Übungspraxis und bestimmte Eigenwilligkeiten, die sich mit der Zeit herausgebildet haben. Deshalb versuche ich, den Schreib- und Malvorgang immer neu wahrzunehmen: immer neu habe ich zu versuchen, ihn mit den eigenen inneren Empfindungen in Verbindung zu bringen.

尤其毛筆是非常敏感的工具,它的任一線條都帶出自己的狀態,包含之前的習練與習氣。因而在我重新面對書畫的過程,我要讓它重新和我自己內在的感受產生連結。

Malerei kann sich von der äußeren Gestalt der Gegenstände lösen. Ich versuche etwa, so weit wie möglich zu vermeiden, Bäume oder Steine unabhängig voneinander darzustellen. Immerfort erinnere ich mich daran, daß für mich der Schwerpunkt auf dem Verhältnis zwischen ihnen liegt.

繪畫可以跳脫對象的外貌。我儘量避免將樹、石等物表現得完整獨立,這是我隨時必須警惕的。我的著重點是看它們之間的關係。

Wenn der Pinsel sich zum Malen einer Linie auf das Papier senkt, steht noch keineswegs fest, ob diese Linie Gräsern und Holzern gehören wird oder Bergen und Steinen. Der eigentümliche Reiz der Malerei besteht darin, das Verhältnis zwischen ihnen jederzeit ändern zu können. Ich male nicht erst ein Ding und dann ein anderes, sorge vielmehr dafür, daß, durch das Verhältnis zwischen den Dingen, langsam eine umfassende Konstellation hervortritt.

時常我的一筆線條下去,並不先預設它是屬於草木的線條,還是屬於山石的線條。繪畫的有趣就在於你可以隨時改變它們的關係。我不會先完成一物,再畫另一物,而是藉由物與物之間的關係,慢慢呈現出一個整體的組合。

Deshalb habe ich jedem Pinselstrich höchste Aufmerksamkeit zu schenken – keiner darf einem vorgegebenen Modell folgen, sondern hat in engstem Verhältnis zu den Strichen links und rechts, darüber und darunter zu stehen, so daß sie aus der wechselseitigen Verflechtung ineinander hervorgehen.

因之我必須對自己的每一筆都非常警覺──它不是理所當然的範式,而是跟左邊右邊上面下面密切相關,它們是互相產生交錯影響的。

Die derart organisch wachsende Bildfläche ist sowohl konkret als auch abstrakt, ist sowohl dieses als auch jenes. Indem ich mich darin aufhalte, bin ich davon überzeugt, daß das Sein dieser Dinge ursprünglich genau so gewesen ist.

這樣有機延展出來的畫面便是又具象又抽象,又是這個又是那個。其實以我身處其中的理解而言,這些東西的存在本來就是這個樣子。

Der Eppsteiner Wald scheint zunächst wenig abwechslungsreich zu sein. Aber nach Tagen und Jahren so geduldiger wie wortloser Begegnung zeigt er inzwischen seine feineren und unmerklicheren Seiten: das mag eine Schicht weichen und feinen Mooses sein, das von einem Tag auf den anderen zu blühen beginnt, oder ein Kiefernsprößling, der plötzlich aus einer dicken Schicht herabgefallenen Laubes auftaucht, oder gar eine kleine Maus, die an verschiedenen Stellen aus ihren unterirdischen Gängen lugt. All dies vermag in der abgeschiedenen Stille des Waldes meinen Blick auf sich zu ziehen und mir Inspiration zu geben.

艾普斯坦的森林放眼望去似是一成不變,但在日復一日、年復一年的無言相處後,許多細微處就逐一浮現出來。可能是地表一層軟細的苔蘚在一夕間開了花,可能是厚厚一地落葉突然冒出了幾撮松樹芽,甚至是一隻在幾處隱秘地洞間探頭探腦的小老鼠,都可能在全然的寂靜中帶引我的目光和靈感。

Auf den ersten Blick ist die Konstitution des Eppsteiner Waldes eher eintönig: mehr oder weniger gerade und hoch gewachsene Bäume, eine flach geschwungene, ausgedehnte Bodenbeschaffenheit. Sobald ich mich allerdings auf den gemächlicheren Rhythmus dieser Landschaft einlasse, mich mit ihr bewege und mit ihr spiele, zeigt sie mir allmählich ihre kleinen und zunächst unauffälligen Wandlungen. Besonders

wichtig sind auf dieser Waldbühne die lebhaften Veränderungen des Sonnenlichtes, das durch Äste und Blätter fällt.

乍看之下,艾普斯坦森林的構成,似乎只有筆直高聳的樹木、以及平緩綿延的地平線。然而,當我進入它緩慢的頻率,和它一起脈動和遊戲時,它也逐漸對我展現它的細節變化。特別是陽光在整個森林舞台中的穿梭變幻。

Im Vergleich zur gesetzmäßigen Anordnung senkrechter und waagrechter Linien, mit denen ich im Eppsteiner Wald zu tun habe, sind die Linien am Orchideenbach voll von wilder Gewundenheit und sprunghafter Bewegtheit. Jeder Ausschnitt, vergrößert betrachtet, ist ein Werk für sich, jedes Detail kann zu einem grenzenlosen Raum kreativer Arbeit werden.

相較於艾普斯坦森林的規律縱橫,蘭溪則滿是曲折躍動的線條,每個局部的放大都是一幅作品,每個細節我都可以把它變成無限的創作空間。

Das Verhältnis zu dem Ort, an dem ich male, bildet sich ganz allmählich. Es gilt jede vorgefertigte, vermeintlich gesicherte Kenntnis des Ortes zu vermeiden und sich offen und durchlässig zu machen. Ich muß warten.

我和創作場域的關係需要時間慢慢培養,除了避免帶著先入為主的認識,也為讓自己能在其間敞開通透。我需要等待。

Das Malen in der Natur ist ein Vorgang, der mich zumeist mit Freude erfüllt und den ich genieße. Gleichwohl sind Momente inneren Ringens und der Verstörung kaum zu vermeiden. Denn ich kann nicht vorhersehen, welche Früchte mein mehrstündiges Alleinsein in Wald und Bergen tragen wird. Es ist mir unmöglich, irgendetwas zu erwarten, weil ich das Ergebnis einfach nicht zu kontrollieren vermag.

在自然中創作的過程大體而言是令人愉悅享受的,但仍不免有內心的掙扎和忐忑。我不知道一天在山林中七八個小時的獨處能有什麼成果,我也不可能有所期待,因為結果真不是我能掌控的。

Es ist mir unmöglich ein Bild zu wiederholen. Jedes leere Blatt ist ein Neuanfang.

我無法重複任何一件作品,每次面對一張白紙都是從新開始。

Ich muß ununterbrochen lernen abzulassen, nichts zu übereilen und nicht zu viele Bedenken zu hegen. Für einen kreativ arbeitenden Menschen ist das manchmal schwer zu ertragen, weil das bedeutet, von vertrauten Techniken lassen zu müssen, ohne zu wissen, was an deren Stelle treten wird. Solch innerli-

ches Ringen ist eine Erfahrung, die es ein ums andere Mal neu zu bewältigen gilt.

我需要不斷地學習放下、不能急燥、不要有太多顧慮。這對一個創作者來說可能比較辛苦煎熬,因為熟悉的技法要放下,卻不知道何時新的東西會出來,這種心理掙扎是需要一次又一次的經驗來撫平。

Eine neue Stilrichtung bildet sich in meiner Malerei in unvertrauten Situationen, deren Möglichkeiten ich nicht zu übersehen vermag, oder wenn ich von der natürlichen Umgebung zu absonderlichen Malgesten genötigt werde. Die Linienführung, die Lebendigkeit der Tusche und die Anlage eines Bildes liegen unter solchen Bedingungen gänzlich außerhalb bewußter Kontrolle oder Vorhersehbarkeit.

新的風格樣貌必須是在我自己不熟悉的情況下,或沒法控制的變數,甚至是被逼迫出一些很怪異的姿勢下萌生。在這種狀態下所產生出的線條墨韻和佈局,完全不是自己可以意識到或設想出的。

Beim Malen in der Natur ist es unmöglich, alle Veränderungen zu kontrollieren. Es ist vielmehr ein Vorgang, bei dem es gilt zu lernen, jederzeit auf allerlei Wandlungen zu antworten, um auf diesem Wege die Überraschungen und die Schönheit dessen zu entdecken, was der Zufall so mitbringt – und um dabei zu verstehen, daß diese Zufälligkeiten vielleicht notwendig sind.

在自然中創作,雖然不可能控制所有變數,但也是在學習因應它各種隨時變化的過程中,才能發現這些偶然所帶來的驚奇和美,也慢慢理解或許這些偶然皆是必然。

Von verschiedenen Seiten ein Bild zu malen, erlaubt es, die Möglichkeiten zu vervielfältigen und das Wechselverhältnis zwischen Linien und Tuschefeldern zu betrachten. Dabei gewinnt die Struktur des Bildes allmählich Gestalt.

從畫面的不同方向作畫,能拓展更多可能性,藉由觀察墨塊彼此間的關係,讓畫中的結構慢慢延展浮現出來。

Es ist unmöglich, einmal entstandene Tuschespuren zu wiederholen. Auch Farbtöne der Tusche vermag ich nicht zu reproduzieren. Die Verschiedenheit der Papierqualität, der Grad der Trockenheit oder Feuchtigkeit des Steins, auf dem es beim Malen liegt, die Art der Sonnenstrahlung – all das beeinflußt den jeweiligen Farbton der Tusche.

每次的墨跡都不可能重複。甚至每次的濃淡,我也沒法複製。不同的紙質、石土不同的乾濕度、不同的光度......都影響到墨色的深淺。

Häufig befeuchte ich Flächen mit Wasser und Tusche. Beim Trocknen werden die Tusche-spuren blaß und fade, ja verschwinden zuweilen in der völligen Unsichtbarkeit. Das geschieht wieder und wieder. Im Zuge solcher Schichtungen und Ablagerungen wird, ganz langsam und auf natürliche Weise, eine Richtung gegeben.

我任憑它自然地渲染一片,乾了,原先的墨跡就變淡,甚至就不見了;再上一次,再不見;又一次,又不見;就是如此層層疊疊的慢慢出現,自然就會給出一個方向。

In den in einer bestimmten Zeitspanne entstandenen Werken ist ein vergleichsweise zusammenhängender Stil zu erkennen. Jedes Jahr, wenn ich nach längerer Abwesenheit zum Orchideenbach zurückkehre, habe ich keine Ahnung, was ich noch malen könnte. Gleichwohl entsteht jedes Jahr etwas Anderes. Erst wenn ich mich an jenem Ort aufhalte, weiß ich, was passieren wird. Das läßt sich nicht vorhersehen.

在一段時間內的作品,可以看出一種比較連續的風格。每年回到蘭溪,我其實不知道我還能畫什麼。然而,每一年畫出的蘭溪還是不一樣。所以真的要自己進入到那個場域裡面才知道會發生什麼,沒法預想。

Erst in der Erfahrung eines gegenwärtigen Moments weiß ich, auf welche Weise ich ihm zu begegnen habe. Auf dem Stein am Orchideenbach kann ich die Tusche auch mit einem vergleichsweise harten Zweig auftragen; auf dem weichen, vielleicht gar mit Blättern bedeckten Waldboden hingegen kann ich kaum Kraft anwenden und muß viel leichter und weicher vorgehen. Das Malen läßt sich nicht standardi-sieren, vielmehr ist jederzeit das Gespür für und die Nähe zu sich entwickelnden Erfahrungen nötig.

我必須在當下經驗時,才知道要用什麼方式和它往來。若是在蘭溪石頭上,我可以用樹枝;若在森林裡的軟土或草葉上,就必須以輕柔的方式來創作。沒有標準模式,必須隨時去感受它、貼近它。

Um die Struktur eines Bildes fassen zu können, ist es nötig auf einen Moment zu warten, in dem ich es mit vergleichsweise klarem Bewußtsein überblicken kann. Zuvor befinde ich mich zumeist in einem Zustand des Leerlassens und kann mich an die Vielzahl und Abfolge der damit verbundenen Wandlungs-zustände kaum erinnern. Dafür habe ich mich erneut in jenen Zustand der Diffusität zurückzuversetzen.

關於結構,似乎是要等自己較有清楚意識時,才能掌握。在那之前的過程裡,我時常是放空而不記得來回往復的次數和順序。如果要我回憶那過程,我就得把自己丟入那恍惚狀態裡面。

Gerne betrachte ich ein entstehendes Bild aus verschiedenen Perspektiven, so wie ich mal auf einem Stein liege und in den Himmel blicke, mal herabschaue auf die im Wasser schwimmenden Fische und auf das Schattenspiel, das seine Oberfläche überzieht. Darin gibt es unzählige Raumschichten, die sich überlagern. Auf diese Weise löse ich mich von einem vorgefertigten Bildaufbau und komme zu unerwarteten Ergebnissen.

我喜歡從不同角度看畫面,如同我躺在石頭上環視周遭,或俯瞰水中游魚及倒影,其中有無數層層疊疊空間,也就跳脫制式化構圖,產生意想不到的結果。

Gegen Ende, bevor ein Bild zum Abschluß kommt, muß ich es einem prüfenden, objektivierenden Blick aussetzen. Erst in diesem Augenblick kommt etwas wie ein ästhetischer Maßstab ins Spiel. Während ich Teil des Vorgangs ununterbrochener Wandlungen bin, während ich am Aufleben und Verlöschen diverser Figuren teilnehme, gibt es keinen Maßstab der Vollkommenheit oder Unvollkommenheit. Der Unter-schied besteht darin, ob ich noch im Bild oder schon aus ihm herausgetreten bin.

結束前的收尾,必須以一種客觀化的眼光審視,才有所謂的美學標準。然而在不斷變化的過程中,我參與並接受這種種相的生滅,並沒有完美與否的標準。差別就在於我自己是在裡面,還是抽離出來。

畫化與化畫:關於蔣三石的水墨

Das Malen der Wandlungen. Über die Tuschemalerei von Jiang Sanshi

何乏筆

Fabian Heubel

„Wandlungen können nicht erzwungen werden.“

(Zhang Zai, Zhengmeng [Vom richtigen Aufklären])


Das Malen der Wandlungen hat doppelte Bedeutung: die Wand-lungen malen sich selbst und die Wandlungen werden gemalt. Das Malen der Wandlungen ist paradox, denn es ist subjektlos und subjekthaft zugleich. Es lebt von der Unauflöslichkeit des Hin-und-Her zwischen den beiden Momenten. Natur wandelt sich selbst, ist Unerschöpflichkeit energetischer Transformationen. Im Malen der Wandlungen malt Natur sich selbst – und wird zugleich gemalt. Oder:das Malen der Wandlungen vollendet sich wie von selbst, wenn es der Malerin gelingt, Natur sich selbst malen zu lassen. Solches Lassen-Können, solcher Verzicht auf bewußte (Selbst-)Kontrolle, bedarf der Übung. Es hat sich auf einem unabgeschlossenen und un-abschließbaren Weg der Selbstkultivierung herausgebildet, auf dem sie gelernt hat, daß wahrhaftig sich selbst verwirklichen zu können, immer auch bedeutet, von sich selbst ablassen zu können. Denn erst

dann wird es möglich, zwischen Tun und Ohne-Tun frei zu wandeln.

Jiang Sanshi verleiht der Kunst der Berg-Wasser-Malerei eine un-gewöhnliche Gestalt, die zunächst wenig an bekannte klassische Werke erinnert. Es fehlen die vertrauten Szenen ästhetisierter Natur:Berggipfel, Wasserfälle, Pavillons und die darin wandernden, ras-tenden, sich unterhaltenden, musizierenden, schreibenden Liter-aten. Bald jedoch scheinen ihre Bilder die Vermutung zu wecken, dieser Verzicht sei notwendig, um den „Geist chinesischer Kunst“ auf neuartige Weise zu verkörpern; um einem nahezu unerreichbar gewordenen Geist der Selbsttransformation und der Selbstvollend-ung zu begegnen, und um zu lernen, Kunst dem gewundenen Kommunizieren von Himmel, Erde und Mensch erwachsen zu lassen. Die Bilder sind ungewöhnlich, weil sich in ihnen die aus der Tradition der Tuschekunst bekannte Dialektik von Leere und Fülle, von leergelassener und bemalter Fläche, von Stille und Bewegung mit einer weniger bekannten Dialektik verbindet: derjenigen von Diskontinuität und Kontinuität, von Abstraktion und Konkretion, von energischem Eingreifen und willenloser Zurückhaltung, von Experiment und Subtilität.

Dadurch erhält Jiang Sanshis Malen der Wandlungen eine seltsam moderne Wendung. Aber es ist nicht die alte Moderne, die sich darin

zeigt, sondern eine neue, noch weitgehend unbekannte und ungedachte.

「化不可助長。」(張載,《正蒙》)



「畫化」意味著,「化」被畫;「化畫」意味著,「化」自畫。化與畫的關係是弔詭的,因為畫化是有主體的而化畫是無主體的。兩者的關係是無法化解的來回往復。自然自化,是「氣」無窮無盡的自我轉化過程。畫化時,自然被畫;化畫時,自然自畫。或說,一旦畫家能讓自然自畫,畫自然自成。如此的放讓態度需要工夫。放下自我控制的能力在無窮無盡的自修之道上養成。行走在此道路上,畫家學習,若要真誠地實現自己,不得不學習放下自己,才可能自由遊化於

有為與無為之間。

蔣三石賦予山水畫一不習慣的形象。乍看與古典山水的距離甚遠。看不到的是美學化自然的熟悉場景:山頂、瀑布、亭屋,以及漫遊、獨坐、交談、彈琴、書寫、玩物的文人。然久看過程中發生改變。為了以新的方式體現「中國藝術精神」,畫家的忌諱顯得必要:為了能夠與可望不

可及的自化自成精神相遇,似乎要學習讓藝術從天地人的曲折溝通而萌生。蔣三石的作品讓人看不習慣,因為除了虛實、動靜的傳統藝術辯證之外,出現其他辯證,即非連續與連續、抽象與具象、實驗性的介入與餘讓的精微之間的辯證。藉此,她的畫化蘊含著奇特的現代化。不過,其中的「現代」不是熟知的,而是仍不知而未思的。

寫氣:蔣三石的水墨繪畫
夏可君

讓自然說話,讓自然以自然而然的方式呈現,這是水墨繪畫隱秘地指向,也許還是水墨藝術唯一的事情,這個時代如果有著藝術的發生,如果現代藝術被偶然所觸發,那我們這個時代的藝術,就是發現自然與偶然的自由關係。


自然而然,繪畫要表現的不是現存的與對象化的自然,而是在「通透」中滲透出來的自然:讓自然任然地滲透,在墨水接觸宣紙的那個瞬間,任憑手腕婉轉靈動,從而催逼出滲染的氣感,手隨心運,在書寫節奏變化中帶出氣感的參差,也激發出可遇不可求的暈散的墨暈,還要一直保持墨暈含蓄雋永而充滿韻致的流動。這氤氳化生的色暈,就是水墨畫的奧秘:整個畫面,整個凝視的場域,被墨暈所滲透。墨暈的生發,不可刻意為之,而是在諸多因素的偶發相會之際,身體的手感,材質的元素以及紙面上的圖像三者出現幻化的共融,從而在彼此的親密接觸中,形成氣化的褶子。


繪畫不過是以自然的方式展開這個氣化的表面,使之不成為一種固定的圖式,讓身體姿態、運筆方式以及畫面期待,一直保持在氣感的綿延之中。如何讓表面保持呼吸?這要求書寫,描繪,塗寫,都要湧出氣感,不僅僅是自然的形體,比如石頭與樹木的形體質感,也不是作為藝術形式語言的線條的流動,不是某種程式化的寫意,而是寫氣,在吞吐之間,讓表面充滿氣息。


繪畫,水墨繪畫,就是打開這個暈染的表面,也一直有著表面的冒險,一旦色暈不再,就需要重新喚醒深度幻覺與表面支撐之間的張力,進入混沌之中,捕捉時間的裂縫,使之銘刻在表面,什麼樣的身體姿態、什麼樣的材質、以及什麼樣的圖像可以在這個自然已經被技術對象化的時代,打開表面的接納與轉送、以及餘讓與讓過的姿態?如何使帶有斷裂、撕裂以及轉折的表面,繼續延展?且柔和地伸縮?


這需要喚醒自然的潛能,自然其實無處不在,儘管是以缺席而被遮蔽的方式餘存著。自然之中的自然需要我們持久地回到自然環境之中,不是觀光旅游的時尚化,不是圖像的裝飾化,但是也不排除通過傳統中國山水畫對自然流動性與滲染性的餘留記憶,打開遠古荒寒的時間記憶,讓一個過熱與過速的時代得到冷卻,感受到時間的高寒與空寒,超越人類之外;這也是喚醒我們人類身體之中的自然,那是自然在我們身上餘留的被動性,比如生命的出生,身體的疲憊與安眠,以及死亡被提前哀悼的憂鬱。新的水墨畫是否可以帶給身體安眠的氣息?

在自然之中,女畫家在蘭溪作畫,在石頭樹木與流動的溪水之間徘徊、沉思,凝神觀照。打動畫家的是:天光透過枝葉後經過流動溪水的折射而映照在有著苔蘚的石頭上,隨著風的吹拂,光影成為輕輕晃動的波光,在天光與水氣之間,一個稠密而多孔的空間在畫家持久的凝視中,被壓縮為一個繪畫的表面,一個恍惚的餘像,一道回旋的光暈,一個化生的褶子。或者旅居歐洲時,在德國的森林中,讓天光從林間隙地落下,宣紙坦然地接納自然的足跡。

讓自然到來,這是人在如此的自然環境中,讓整個身體的感覺都委身於自然搖曳變換的光影遊戲之中,直到光暈重新閃爍起來,也是讓作畫的材質進入自然的造化。在蘭溪,藝術家那座工作的石塊平臺已經不是石頭,而是自然給出了接納事物的場所,在畫家的觸感中,就轉變為繪畫的表面。那一塊塊石頭,尤其是經過反覆潑墨後的那塊傾斜的石面,已經成為作畫的舞臺,實際上成為了一個工作臺,不過這是由自然給予的一個檯面,由時間與氣候而塑造的表面,有時還有樹上的落葉落在上面,似乎在問候畫家,有些石塊上苔蘚蔥綠,等待著去滲透宣紙。

那塊傾斜的大石塊旁邊的石縫裏還綻出蕨葉,也宛若書房裏的花瓶或者盆景一般的靜物,但是蕨葉輕輕搖曳的身姿以及投射在石塊上輕柔的暗影,這天然的機趣吸吮畫家的目光。還有周圍其它的石塊,隨著光線變化不同,季節不同,陽光透過樹枝投射在石塊上的光線晃動的也不同,就帶來不同的邀請,事物開始放棄自身的形狀,在波動的韻律中變得柔婉,它們本來就無所執著,渴望在每一個明媚的瞬間綻放自身,溪水在引導石頭與樹葉的形狀,這永遠年輕的呼吸的種子在懇請,淨化了花瓣的欲望姿態,讓身體隨著它們一起放鬆,光滑的軌跡與湧動的光暈,吟詠出偶然的詩性。


回應自然的召喚,畫家以樹枝,樹葉等等來作畫,根本不必去製造意外,蘭溪氣候的變化足夠淹沒我們的呼吸,因此這些自然之物彼此滲透而激發的筆觸,就不是線條,不是意境,而是隨機而來的痕跡的餘留,我們就看到畫家作品圖像的多樣性,這是由自然場景的偶發所導致的。


整個畫面看起來風輕雲淡,似乎不是人為畫出來的,而是自然自身來到了畫面上,但藝術家並沒有排斥精微的筆法,我們依然可以在那些樹枝與山石上,隱約感受到古代中國山水畫美妙顫栗的筆觸,輕微的抖動,以及筆觸跳時的節奏,但都是不經意發生的,傳統的筆墨因為自然的呼吸,巧妙地化入了自然痕跡的生成,一切看起來都是輕描淡寫似的,但其實都經過了心靈與自然契悟時的機緣。作為虔誠的佛教徒,藝術家在個體的修行與自然的變化之間,找到了默契,一幅水墨作品不過是這種默契的見證。

Die Unabschließbarkeit der Anschauung

Susanne Ließegang

Jiang Sanshi stellt sich mit ihrer Tuschmalerei in die Tradition der chinesischen Berg-Wasser-Malerei und beschreitet dabei Wege, die dieser Tradition fremd sind. Sie arbeitet nicht im Atelier, sie sucht ihre ureigenste „Geste“ jenseits eines Einschreibens in die formalisierten, gestalthaften, vorgefertigten Chiffren von Berg, Wasser, Mensch… Dennoch steht sie in der kulturell geprägten Tradition eines sich Einschreibens in ein Vorgängiges, in der sich innere und äußere Verfasstheit (Natur) nur im „Akt der Begegnung“ erschließen – offen- baren. Sie findet eine offene Bildsprache, die dem westlichen Blick, der an abstrakter Malerei geschult ist, auf besondere Art zugänglich

erscheint.

Dieser Tuschemalerei begegne ich in Deutschland als eine Kunsttheoretikerin, die seit Jahrzehnten die Frage beschäftigt, wie sich unter Wahrnehmungsaspekten das Verhältnis zwischen Bild und außerbildlicher Realität herstellt. Welche Formen der Kenntnis und Erkenntnis stellen sich in einem der Anschauung verpflichteten Prozess ein?

Jenseits aller Fragen von Abbildlichkeit, ausgehend von einem Bildverständnis, dass Re-präsentation nur als Sonderform eines Bildes

begreift, stellt sich die Frage, welche Formen der Welt-Begegnung sich mit und am Bild konkretisieren. Es ist vorausgesetzt, dass der

künstlerische Prozess ein möglicher Weg ist, auf dem sich In-der- Welt-sein, oder Zur-Welt-sein konkretisiert und, dass Bilder nur im Akt des Anschauens selbst dieses Zur-Welt-sein offenbaren.

Eine hochformatige Tuschemalerei steht mir vor Augen (siehe S.17):

Im Überblick aus der Ferne erkenne ich Wasser, einen sich auftür- menden Berg und weiter oben eine nur noch ahnbare Bergkette.

Aber die sprachlichen Bezeichnungen könnten auch ganz anders ausfallen: sich auftürmende Wolken, oder vielleicht doch der Blick nach unten ins Wasser. Eine stabile, an Bekanntem sich festmachende Fixierung will sich nicht einstellen. Die Sprache, die ihre Sicherheit

aus gefügten, wiedererkennbaren Gestalten bezieht, versagt. Lockere, wie duftig quellende Farbfelder fordern eine anderen Art der Orientierung. Zunächst muss ich den Überblick verlassen und mich ins Detail, konkret in die Nähe begeben. Mein Blick taucht ein in eine

schwimmende Fläche – ich nenne sie schwimmend, weil sie wie leicht aufgelegt auf den Grund erscheint. Im Durchscheinen auf den Grund wird eine fast nicht sichtbare Bewegung spürbar, ein Entbreitet-sein, das die gestischen Bewegungsspuren unterläuft. In dieser Wahrnehmung sind kaum spürbare Bewegungsimpulse und Ruhezustände, aber Naturerfahrungen werden in mir aufgerufen: das ruhend, bewegte Wasser einer Bucht an einem kleinen Bach…

Mein ruhend, schwimmender Blick springt, gleitet nach rechts in ein vom Grund her sich ausdehnendes, bewegtes, verwirbeltes Etwas.

Im Durchscheinen der Tiefe, in Überlagerung von ungetrennten Schichten, ergibt sich ein kleinteiliges Aufgewirbeltes, in dem das

Quellen der Farbe und das Grenzefinden im Ausdehnungsprozess des Farbverlaufs zu einer vielgestaltigen Hell-Dunkel-Struktur sich

zusammenfügt. Dunkel geführte Striche akzentuieren dieses Quellen wie tanzende Mücken, die ganz mit dem Grund eins geworden sind.– nichts in dieser Gestalt lässt auf ein figürlich Wiederkennbares, Benennbares schließen. Dennoch sucht meine innere Wahrnehmung nach Möglichkeiten der Identifizierung und fällt doch immer in den

offenen Prozess der Sehbewegung zurück.

Dieses „Sehen“ wird nach und nach zu einem Vorgang, in dem sich vielfältige Wahrnehmungsebenen zusammenschließen. Die hoch differenzierten dynamischen Spuren entfalten körperliche Wahrnehmungen und aktivieren einen Erfahrungshorizont in dem Sehen und Hören, Sehen und ein atmosphärisch Dichtes im Sinne eines räumlich, situativen Dazwischens sich im offenen Vollzug des Schauens mit Naturerfahrungen verbinden: das Rauschen oder Plätschern von Wasser, die Atmosphäre eines bestimmten Ortes, den ich konkret benennen könnte. Dies geschieht ausschließlich im Vollzug des Schauensnichts kommt hier zur Erscheinung, nichts steht mir hier gegenüber, eine erinnerungsfähige Gestalt stellt sich nicht ein. Grundlegend für diesen Vollzug ist einerseits, dass sich keine fixierbare Gestalt zeigt, die dann mit einem Begriff zu belegen wäre: Berg, Wasser…, andererseits und noch gewichtiger ist, dass sich in diesem Prozess (Vollzug) keine Simultanität des Gesamtbildes einzustellen vermag. Die hoch- differenzierten Bewegungsspuren, die sie nur erwandern lassen, sind gepaart mit einem offenen „Unzusammenhang“, der mit der Unterbrechung der Bewegungsspur im leeren Weiß des Papiergrundes entsteht. In diesen „Weißzonen“ oder Grundzonen öffnet sich das Bild in eine Tiefendimension, die mit einem Sinnenapparat nicht mehr begehbar erscheint.

Der flächigen Entbreitung stellt sich ein Tiefenzug entgegen, der ins Offene führt, das sich nicht dem „Bild“ integrieren lässt. Es sind diese Zonen, die das Bild endgültig einer möglichen Simultanität entreißen und damit jedweder sich schließenden Gestalt. Das mit dem Sehen als Distanzapparat einhergehende Distanzierungsvermögen ist graduell aufgehoben – transformiert. Schon das Hochformat mit seiner kleinteiligen Ausdifferenzierung arbeitet einer solchen Simultanität entgegen – genauso wie die Breitformate ihrer anderen Landschaften. Die Leerzonen reißen das Bild in eine Tiefe, verbinden es miteiner Ausdehnung, die nicht fassbar, nicht sagbar ist, ein Offenes bleibt. Die Unabschließbarkeit, die jede Bildanschauung in sich trägt, ist hier auf eine besondere Spitze getrieben. Sie ist das Bild. Betrachtung kann hier nur gelingen, wenn dieses Offene immer wieder neu gegangen wird, in Teilhabe geschieht. Darin wirkt eine Transformation des distanzierenden Sehens hin zu einer Nähe, die nicht Erkenntnis, sondern Kenntnis von Welt hervorbringt. Kenntnis heißt hier, das in der anschaulichen Erfahrung Eingebunden-sein in einen Prozess des Wahrnehmens, der den äußeren Befund zu einer inneren Tatsache, oder – mit einem dem östlichen Denken näheren Begriff – Wirklichkeit werden lässt. In ihr ist die Welt-begegnung des Menschen aktiviert.

Das Motiv „Landschaft“ ruft den Zusammenhang mit einer wirkmächtigen Natur auf, in die der Mensch mit seinem Sinnenapparat eingebettet ist. Das Bildgeschehen ist derart Teil eines weiteren Weltgeschehens. Das Bild ist nicht mehr und nicht weniger als das.


Schlucht-Geist  谷神

詩作 |蔣三石
翻譯 |何乏筆

Übersetzung: Fabian Heubel


Notiz vom Orchideenbach

Unerwartete Anwesenheit
ein Mensch zwei Menschen drei Menschen
Alt Neu Ost West treffen zusammen

Des Ungebrauchs Gebrauch
ohne Worte auch ohne Hindernisse

Begrüße klaren Wind     betrachte fließendes Wasser
Herz wie Sonne   Hände folgen Tönen
Pinsel Tusche mit Natur verkehren

Zuweilen eine Schale Tee
wedelnden Fächers sitze liege
ob Sonne ob Regen

Wozu?


蘭溪散記

無預期的臨在
一人 兩人 三人
古今東西的邂逅

無用之用
無言亦無礙

迎清風 觀水流
心如陽 手隨聲
筆墨與自然的交會

偶一杯茶
搖扇坐躺
是晴是雨

何妨


Unbeschwertes Gemüt

Ohne haftende Gedanken
entspreche freudig dem was sehe
wohin auch immer es geht
nicht bedauere

Fülle eine Fläche
folge einem Strich
gestellte Aufgaben beantwortete Fragen
mit geradem Herzen entgegne

Unbeschwerten Gemüts sei
wenn teilnimmst an Himmel Erde Wandel Bildung

Herz offen
Große Schönheit von jeher vor Augen



暢懷

無執念
欣喜見隨
去往何處
不愁

抹一片
順一撇
出題答題
直心以對

暢懷
若參天地化育

心開

大美從來眼前


Atem üben hunderttausend Jahre

Jeden Tag abreißen und neubauen
Milarepa auf seinem Lotossitz lächelt
nicht wissend nicht sinnend
Zeit wird zu wahrer Täuschung

weißes Papier noch immer ist weißes Papier
im Kopf noch immer ist leeres Weiß

ich beginne das weiße Papier anzulächeln


煉氣十萬年

每天打掉重來
密勒日巴蓮座上微笑
不知不覺
時間成為真實的虛妄

白紙依舊是白紙
腦中依舊是空白

我開始對著白紙微笑



Wieder sehe klaren Herbst

Ohne etwas zu suchen und ohne auf etwas zu warten
nicht merklich wieder ist vergangen ein müßiger Tag

Sanft gehender Wind
leicht zitternde Blätter
von Zeit zu Zeit aufleuchtendes Gold und strömende Wellen
Erinnerungen an einen ehemaligen Herbst
sind plötzlich da

Pinsel
verweigert sich schwerer Tusche
Linien
leicht im Wind schweben
alles
fortlaufend dreht sich weich
aus einem nicht sichtbaren nicht greifbaren doch vollen leeren Raum
tauchen schattige Gestalten auf aus trübem Zwischen
sich plötzlich auflösend in Atem
einatmend ausatmend
was sichtbar
nicht benennbar mehr

Außer Wahrnehmung und Teilhabe
ohne etwas zu suchen und ohne auf etwas zu warten


又見清秋

無所求亦無所待
不覺又是一日閑

輕拂的風
微顫的葉
時不時閃現的燦燦金光與蕩曳的水波
曾經的記憶的秋
翩然而至


下不了重墨
線條
隨風輕飄
一切
都在綿柔的旋轉著
從一股看不見抓不著又充盈各處的虛空中
恍惚間似現身影
忽又 散為氣息
隨之吸吐
所見
不再能名狀

除了感知與相伴
無所求亦無所待


Verwirrung

ist so
wegen Nichtkenntnis

ist so
weil es noch nie gab

ist so
durch das Entstehen aus einzigartigen
Lebenserfahrungen

Nur kannst
ein Schritt ein Tritt
inmitten dieser Verwirrung
treten aus den eigenen Spuren

Nicht denke an Früheres
Nicht sinniere auf Späteres

Nur zu mit dem Atem des Mutes


迷茫

之所以
是因不識

之所以
是因未曾有

之所以
是因生發於個別生命經驗

只能
一步一腳印
在這片迷茫中
踏出自己的軌跡

不思前
不慮後

鼓足勇氣


Jeder Schritt ist schwierig

Daran gewöhnt
zu lassen den Weg sich selbst offenbaren

Meines Blickes Linien
bündeln sich im einen Schritt vor meinen Füßen
kann nicht nach vorn denken
weil
nicht weiß wie das Wirrwarr vor mir denkbar
kann nicht sinnieren über Vergangenes
auch
ist es unmöglich erneut zu gehen getane Schritte des Zufalls

Warten
inmitten von Gespür wachsend und sich sammelnd
bis
im tiefen unmerklichen Dunkel Trommeltöne sich erheben
Loslassen
alles Ergriffene entgleitet meinen Händen
nur bleibt
jener schreitende Mensch Giacomettis
dünnes
reines
festes Sein

ein halbes Jahrhundert   durchlaufen
vorn Verschwommenheit   wie gehabt
ist jeder Schritt schwierig   obwohl
Leichtigkeit von Herz und Geist   sichtbar täglich


舉步維艱

已經習慣
讓道路自己顯現

我的視線
專注在腳前方的一步
不能思前

不知面前的一片混沌如何能思
無法慮後

不可能再重踏一路行來的偶然

等待
在感受醞釀及蓄勢中
直到
幽微深處鼓聲的響起
放下
一切執取皆握手已違
只剩
賈克梅蒂那行走之人
削瘦
純然
堅定的存在

半個世紀 走過
前方朦朧 依舊
舉步維艱 儘管
心神輕靈 日見


Ein eigenes Zimmer

Hier
schmeckt jeder Schluck Tee
auch gewöhnliche Kekse verströmen einen natürlichen Duft
sie die mich umgeben
übertreffen die feingeplante Gestaltung eines jeden Hauses
sie sind keine Beiwerk
sondern von Sein durchdrungene Lebendigkeit

Es durchzieht die Leere der Schlucht ein Fließen
sei es Atem    sei es Licht    sei es himmlische Musik
in allem wirkt eine natürliche Wegordnung die
auch mich einlädt zum gemeinsamen Empfang

Ruhig sitzend auf dem Stein
nehme ich teil jeden Tag an des schöpferischen Wandels Ritual


一個人的房間

在這兒
每口茶都有滋有味
尋常餅乾也散發著自然清香
圍繞著我的它們
勝過屋舍裡的精心佈置
它們不是擺飾
而是有生命貫穿其中的存在

穿梭於谿谷虛空中的流
不論是氣 是光 是天籟
都有它自然運行的道理
也邀請我一同覺受

坐定於石上
我參與了每天的造化儀典

虛讓而生生不息
Leeren, Lassen, Leben

王品驊
Wang Pin-hua 

我不是畫眼前所見之景,而是靠筆墨與紙碰觸的同時,一點一點形塑出來的存在。

—蔣三石創作自述


「我是在大自然裡創作,不管是在德國艾普斯坦的森林或是新店的蘭溪。我需要較長的時間在那場境裡面獨處,放空。」(蔣三石,《畫化:蔣三石作品集》,台北:一票人票畫空間&畫庫,2017 年,頁8。) 這是藝術家蔣三石創作自述一開始提到的創作狀態的描繪。她總是在大自然的環境中作畫。筆者曾經跟著她一起走到蘭溪畫畫,谿谷裡林木扶疏、樹影茂密,陽光穿越樹枝與風中搖曳的葉片而投影在水面、在碎石地上、在大小形色不一的石頭上,大片的石頭也成了作畫的畫桌。她將捲筒中宣紙取出放在大石上,拿出筆與墨,畫家的工作室場景便出現了。

作畫,並不會即刻開始,而是等待。她什麼也不做的,只是在谿谷場景裡放鬆身體、放空大腦。因此,她作畫沒有預定的目標,沒有畫題、沒有目的。喝茶、看書、餵魚、小憩、睡著,場景中只剩下溪水流動的聲響、蟲聲與鳥鳴交織,陽光靜靜移動在水面與石縫之間。「我需要不斷地學習放下、不能急躁、不要有太多顧慮。」(蔣三石,《畫化:蔣三石作品集》,頁40。) 她等待著身體在自然中逐漸與自然合一,不再被心念牽繫的時刻,感受到身心滿盈著自然給予的自在,如她所說:放空。她才開始畫。

放在溪旁石上的紙,有時會被溪水潑濕,放在地上的紙會有落葉飄下,光影經過留下斑駁動態,她只是隨手取用帶來的筆,沾上墨,或潑灑溪水讓墨跡變化,拾起一旁的樹枝、葉片順勢動作起來,或讓苔蘚也在紙上留下痕跡。濕了的墨跡,會在時光推移與陽光的照耀下,變乾、變淡或消失,接著又畫,一層層的淡墨與水氣氤氳的痕跡,漸漸留在紙上,「這種創作過程有它自己的獨特性,亦即與當下的場境彼此交互影響,也包括我當時如何與自然互動。」(蔣三石,《畫化:蔣三石作品集》,頁10。)「這是一個很自在的過程,沒有一定要馬上完成,在過程中我觀察紙上的變化給了我什麼靈感。它要引導我什麼?或是我繼續引導它?是一個來回往復的對話。」(蔣三石,《畫化:蔣三石作品集》,頁14。) 她一向不預設要畫什麼,因為「目的本身就會帶領自己的習慣」,所以「如何擺脫慣性成為我繪畫過程中很重要的覺察工作」(蔣三石,《畫化:蔣三石作品集》,頁16。)。放下預設、放下慣性,在放空的準備工作中,讓每一次在紙上留下的痕跡,成為引導下一個繪畫動作的源頭,她只是這麼覺察著,跟隨著紙上墨跡透露的意向,沈浸在大自然豐富的聲響與流動中,以回應和對話的方式慢慢畫著。

「毛筆是非常敏感的工具,它的任一線條都帶出自己的狀態,包含之前的習練和習氣。」因而,「在重新面對書畫的過程,我要讓它和我自己內在的感受產生連結。」(蔣三石,《畫化:蔣三石作品集》,頁18。) 我們從三石的畫中,能看到在前述的作畫過程之後,留在紙上的筆墨變化,充滿著難以語言形容的自然經驗表達,有時還有像是樹木姿態的一個部分結構,或是有著空間透視感的場景,但更多時候只是線條、墨韻本身不斷舞動著、翻新著,這些看來什麼都不像的圖像,是畫家在作畫過程中有意識的捕捉:「繪畫可以跳脫對象的外貌」,「我儘量避免將樹、石等物表現得完整獨立,這是我隨時必須警惕的」,她避免讓圖像成為物象外貌。「我的著重點是看它們之間的關係」,「藉由物與物之間的關係,慢慢呈現出一個整體的組合」(蔣三石,《畫化:蔣三石作品集》,頁20、22。),能否借用畫畫過程的每一筆或墨色,像是具有「自動性」般的落筆、自然地衍生出下一筆,最後「自行」完成。

整幅作品是她置身大自然之中,將自然所賦予當下的身體經驗,透過筆墨行諸紙面的結果。她是追尋著跟大自然一起創作的藝術家。

「這樣有機延展出來的畫面便是又具象又抽象,又是這個又是那個。其實以我身處其中的理解而言,這些東西的存在本來就是這個樣子。」(蔣三石,《畫化:蔣三石作品集》,頁26。)這種強調物與物關係的表達,實則是畫家避開事物外貌,探索自然潛在狀態的一種警覺性和努力。「相較於艾普斯坦森林的規律縱橫,蘭溪則滿是曲折躍動的線條,每個局部的放大都是一幅作品,每個細節我都可以把它變成無限的創作空間。」(蔣三石,《畫化:蔣三石作品集》,頁32。) 正是因為她在大自然中等待,等待著大自然的空氣、濕度、陽光和微風等豐富的變化浸透了她,她就能釋放出

原本潛藏於物象之下的物象關係、她和自然的關係,那些生生不息、生機勃發的微觀世界。她的努力是放在不被慣性帶走的覺知和注意力上。

筆墨轉譯 光氣交通

畫家常常被詢問到繪畫為何不賦彩?她在一次禪坐經驗中明白了,因為她的繪畫世界是:「『摸出來』的。如同瞎人摸象般認識世界的過程。我不是畫眼前所見之景,而是靠筆墨與紙碰觸的同時,一點一點形塑出來的存在。」這樣一種繪畫過程的經驗,並非以視覺為出發點,而是畫家沈浸於自然之中,細膩捕捉覺知變化的特殊作畫過程所建構出來的。她說:「它們之間的關係只有肌理和空間,而觸感本身是感知不到顏色的,所以我始終加不上色彩。」當畫家作畫是一個隨著敏銳的知覺流動

而回應的過程,這個要求讓她的作品不僅不描繪外在事物,而且透過將感官知覺開放,成為一個借繪畫表達的通道:「因為我只能如實陳述當下所感,其餘則一概不知。」(蔣三石,〈另一種看見〉,創作自述。) 她試圖讓繪畫成為「當下」的如其所是。

「水墨在這樣的創生過程中,仿若氣化生成的原料。氣聚則形具。濃淡變化實為萬物生滅原理。因而『墨色』不是一種顏色。」「墨色」是在「氣聚」過程中凝聚而成的存在。她強調:「畫中的物象是從淡到濃、從內而外生長出來,卻不能從完成之形、先勾勒後填彩的方式倒推回去。」對她來說,這種由「氣聚」而成的「墨色」是一種像是存在本質的體現。與此相比,「『賦』彩是在物象表面

添加一層顏色,與本質無關」。(蔣三石,〈另一種看見〉,創作自述。)

畫家對於畫作中的「留白」,她也有了新的發現。她認為「留白」與「畫白」不同,她比喻:「畫出的白色之相,與留出的空白所指,存在『視覺』與『體感』的差別。」前者的「畫白」是增添了白色的「出現」,是一種用白可能產生物像輪廓的「作為」,是源自於「視覺」。而後者的「留白」則是在氣聚畫出墨色之後留下的空缺,是一種「退讓」後的「消散」,是「透過對比的黑,讓不畫

的部分愈益稀薄、退隱。」(蔣三石,〈畫白與留白〉,創作自述。)最近完成的〈谷神〉系列,「始於對谿谷中光氣交通的讚歎。望之日久,手中之筆,亦不住隨之盪來晃去。如何以筆墨轉譯所見所感?」〈谷神〉的命名或許跟畫家總是在蘭溪畫畫有關,她創作自述中也提到:「揣摩在谿谷之心身經歷,何能於筆下流轉任運?一筆,不為描摹對象,而皆有靈有

感之存在,是每個當下的真實。」這自然是她創作一貫的方法所體現。然而筆者認為,當畫家有意識地提問:如何以筆墨轉譯所見所感?筆者認為這應當有兩個層次,第一個層次是前面所述藉著揣摩心身經歷,於筆下流轉任運的當下真實。

這個層次,也透過這系列「是以線條用筆為主軸」,而能讓「筆」成為「身」、墨表達「韻」,讓「身體帶動氣場,在全白之境寓留足跡。可以是窸窸窣窣的斑斕、可以是拔地蒸騰的迷離,忽然飄渺至遠處一餘音,或許便沉沉化作一石安靜。」藉此,這個系列更是體現為抽象的氣聚之形,隨著氣的流動幻化、天舞曼妙,而成渾沌虛空之氣旋。

第二個層次則是,她總是在谿谷中等待著神遇時刻:「與谷神的往來,只能神會,於其一顰一笑;張張白紙,則是曾經不識的記憶。」這種只能神會,不能言說的喜悅,她也表達為:「也許變幻無常,也許生澀難辨,如同心境思緒,亦是隨風順水不斷流轉⋯⋯轉出兒時童心、轉出天地運則、更轉出對諸相非相之感悟。」(蔣三石,〈谷神〉,創作自述。這段創作自述從第一層的世間可見,轉入了不可見的道心。

虛室生白 虛讓之道

老子曾言:「谷神不死,是謂玄牝。玄牝之門,是謂天地根。」谷神,意味著足以化育天地萬物之生命力量的源頭,而「山穴曰谷,言其虛也;變動不拘曰神,言其靈也。不死,即惺惺不昧之謂也。」(黃元吉,〈第六章 谷神不死〉,《道德經註釋》,中國哲學書電子化計畫,網址:https://ctext.org/wiki.

pl?if=gb&chapter=206549。查詢時間:2024.12.01。)透過山谷、谿谷的虛讓,讓氣化的形跡得以顯現靈動不絕之勢。這可能便是畫家提到:「天地運則」、「諸相非相」感悟的潛在意涵,自然也是畫家持續以去人意、「參贊造化」的創作方式所探尋。

三石繪畫透過「留白」,成為「氣聚畫出墨色之後留下的空缺」,是一種「退讓」後的「消散」,也是一種「不為」:「處於渾沌不為的狀態」的一種「體感」。

「體感」的不可見,透過「留白」提供觀者意會。若觀者將其描繪為:從繪畫本身的畫面構成來說,「留白」處仿若透光的空間,而有墨色之處,則仿若體現光體流動、光影瞬變的「陰影」。這描繪本身就帶有一種從視覺的可見性出發,對於三石創作產生的偏離。筆者認為,這也是中研院哲學家何乏筆,提出「光的哲學與氣的哲學」(何乏筆,〈有隱與無隱的弔詭相即:海德格爾借由老子解讀柏拉圖與前蘇格拉底思想〉,《社會科學》,2024 年第六期,上海社會科學院,頁28。分野的重要性。三石的創作,讓出作者預想創作目標、創作形式的主觀位置,讓大腦思維放空,讓身心沈浸於大自然浸透的狀態,讓身心和筆墨成為描繪「當下」如其所是的「存在」的通道。這條追尋著與大自然共同創作的道路,是一條「氣的哲學」所開啟的道路,並非「光的哲學」。

何乏筆認為:「老子的谿谷與柏拉圖的洞穴是兩種不同的哲學意象。透過老子的谿谷意象所指的氣化存在論,可以重新反思洞穴所指的陽光存在論。」而哲學家海德格爾(Martin Heidegger),不僅受到老莊哲學啟發,同時重新閱讀了古希臘文獻,對於代表著柏拉圖以陽光作為真理的西方傳統哲學特徵,有了一種跨文化反思的突破性觀點。因此,「假如洞穴是一種真理機制,谿谷則指另一種真理機制」。16 老子的「谷神」不死,透過山谷的虛讓,成為靈動流變不拘的氣化空間,也如同三石繪畫的「留白」。那並非「畫白」的可見空間,而是莊子「心齋」的「虛己」,以及「離形去智」的一種「坐忘」狀態。這種透過氣化美學之氣聚化形所觸及,表達著時時不同、刻刻變化的存在感知,是另一種能與大自然生息相應的真理機制,所開啟的創造性源頭。

最後,〈谷神〉系列也有跟以往系列不同的表達,採取了雙屏繪畫的形式。在兩張畫紙之間留下的空隙和不連續,似乎更貼近了此系列的「綿綿若存,用之不勤」(黃元吉,〈第六章 谷神不死〉,《道德經註釋》,中國哲學書電子化計畫,網址:https://ctext.org/wiki.

pl?if=gb&chapter=206549。查詢時間:2024.12.01。),因為虛空莫測,而能生養萬物,成為一種自然無為的場境。於此,我們能從畫家提到:「留白的概念是讓出空間,這種讓出的白(空),是一個任其醞釀、變化、呼吸的空間,也是令從無到有、自虛轉實的過程得以生發之所。

所見的白,正確地說是黑的缺乏、墨的虛化,沒有明確的邊界,水(無色)與墨(有色)永遠處於滲透交融的動態關係中。」能夠體會到三石,始終是以「留白」為方法,以氣化繪畫的虛與空,實現天地造化的自然任運、生生不息。





„Ich male nicht, was ich vor mir sehe, sondern ein Sein, das nach und nach durch den Kontakt von Pinsel und Papier Gestalt annimmt.“ 

—JIANG Sanshi



Malen in der Schlucht

„Ob im Wald nahe Eppstein oder am Orchideenbach im Süden Taipeis: ich arbeite in der Natur. Bevor ich mit dem Malen beginnen kann, benötige ich eine längere Zeit des Alleinseins an einem dieser Orte, um zu lassen und um mich leer zu machen von den üblichen Forderungen des Alltags.“(Fabian Heubel (Hg.), Jiang Sanshi—Das Malen der Wandlungen, Taipei: Piaopiao Gallery, 2017, 8.)Das ist eine Bemerkung, mit der die Künstlerin Jiang Sanshi ihre Arbeitsweise beschreibt. Sie malt immer in einer natürlichen Umgebung. Einmal hat die Verfasserin sie zum Malen an den Orchideenbach begleitet. Das ist eine dicht bewachsene Schlucht. Überall warfen Bäume Schatten und die Sonne schien durch das Geäst. Die im Wind schwingenden Blätter wurden im Wasser gespiegelt, wie auch auf den großen und kleinen Steinen im Bachbett mit ihren verschiedenen Formen und Farben. Eine große Steinoberfläche diente ihr als Maltisch. Sie nahm Reispapier und legte es auf den großen Stein. Hinzu kamen Pinsel und Tusche, mit denen sie die natürliche Umgebung in ein Atelier verwandelte.

Sie sagt, dass sie normalerweise nicht sofort mit dem Malen beginnt. Stattdessen wartet sie in der Schlucht, entspannt ihren Körper und leert ihren Kopf. Sie malt ohne ein vorher festgelegtes Ziel, ohne ein bestimmtes Thema, ohne klaren Zweck. Sie trinkt Tee, liest ein Buch, füttert die Fische, ruht sich aus, schläft vielleicht ein Weilchen. Was bleibt sind die Laute fließenden Wassers, das Zirpen der Insekten, das Rufen der Vögel und die Sonne, die sich leise zwischen Wasser und Steinen bewegt. „Ich muss ununterbrochen lernen abzulassen, nichts zu übereilen und nicht zu viele Bedenken zu hegen“, sagt sie.(Ebenda, 40.) Sie wartet bis sich ihr Körper nicht mehr an Gedanken und Absichten gebunden fühlt, um sich allmählich in der Natur mit der Natur zu vereinen. Sich macht sich leer, um darin eine Freiheit zu erfahren, die die Natur ihrem Körper und ihrem Herzen gibt. Erst dann beginnt sie zu malen.

Das Papier, das am Bach auf den Stein gelegt wird, befeuchtet sie manchmal mit Bachwasser. Wind weht herabfallende Blätter auf das Papier. Die Schatten, die die Baumblätter werfen, erzeugen gesprenkelte, bewegte und kreiselnde Flecken und Linien auf dem Papier. Sie nimmt dann den Pinsel, den sie mitgebracht hat und taucht ihn in die Tusche, oder spritzt zunächst Wasser des Baches auf das Papier, damit sich die Tusche verändert, oder nimmt Äste und Blätter, die umherliegen auf und bezieht sie in die Bewegung ein, oder sie lässt das Moos, das sich auf dem Stein gebildet hat, Spuren auf dem Papier hinterlassen. Die feuchte Tusche trocknet mit der Zeit.

Im Licht der Sonne verblasst oder verschwindet sie. Danach ist es möglich, weiter zu malen. Schicht für Schicht setzen sich zunächst blasse Tusche und Feuchtigkeitsspuren auf dem Papier ab. „Eine solche Arbeitsweise hat ihre Einzigartigkeit, weil sie ein enges Wechselverhältnis mit der Natur an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit verlangt.“( Ebenda, 10.)

„Das ist ein ganz unbeschwerter Vorgang, bei dem es nicht darum geht, schnell zu Ergebnissen zu kommen.

Vielmehr betrachte ich aufmerksam die sich auf dem Papier ergebenden Wandlungen und lasse mich von ihnen inspirieren. Wohin leiten sie mich? Oder: wohin kann ich sie leiten? Es bildet sich ein dialogisches Hin-und-Her zwischen den beiden Momenten.“(Ebenda, 14.) Jiang Sanshi geht nie von einer vorgegebenen Idee dessen aus, was sie malen will, denn „Zwecke führen zu den ihnen eigenen Gewohnheiten“. Daher ist „die Frage, wie man Gewohnheiten loswird, zu einem wichtigen Motiv in meinem Malprozess geworden“, denn es treten „mit der Fixierung auf bestimmte Ziele auch die eigenen Gewohnheiten als hinderlich hervor“. Deshalb ist die „Suche nach Möglichkeiten, mich von verfestigten Gewohnheiten zu lösen, eine wichtige Arbeit der Selbstbeobachtung und Selbstbesinnung, die mit dem Malvorgang einhergeht.“(Ebenda, 16.) Indem sie Pläne und Gewohnheiten loslässt und sich in der Vorbereitungsphase darauf konzentriert, ihr "Herz zu leeren", das heißt sich von bewussten Zwecken und Zielen zu lösen, lässt sie jede auf dem Papier hinterlassene Spur zur Quelle für den nächsten Schritt im Malvorgang werden. Sie betrachtet und beobachtet, folgt den Tendenzen, die sich in den Tuschelinien auf dem Papier zeigen.

Sie taucht ein in die vielfältigen Klänge und Ströme der Natur, so dass sich ihre Bilder als kommunikatives Geschehen entfalten können.

„Der Pinsel ist ein sehr sensibles Werkzeug, und jede Linie, die er zeichnet, offenbart den eigenen Zustand, einschließlich früherer Übungen und Gewohnheiten.“ Deshalb „versuche ich, den Schreib- und Malvorgang immer neu wahrzunehmen: immer neu habe ich zu versuchen, ihn mit den eigenen inneren Empfindungen in Verbindung zu bringen“.( Ebenda, 18) In Jiang Sanshis Bildern können wir die Veränderungen von Pinsel und Tusche sehen, die während des beschriebenen Malvorgangs auf dem Papier zurückbleiben. Sie sind voller Ausdrucksgestalten schwer in Sprache zu fassender Naturerfahrungen. Manchmal gibt es Strukturen, die Teile der Haltung von Bäumen zu sein scheinen, oder Szenen mit einem Gefühl für Perspektive im Raum. Aber meistens sind es nur die Linien und der Rhythmen der Tusche, die fortwährend tanzen und sich erneuern.

So werden Bilder, die scheinbar nichts ähneln, von der Malerin im Malvorgang bewusst festgehalten: „Malerei kann sich von der äußeren Gestalt der Gegenstände lösen“ und den Schwerpunkt auf „das Verhältnis zwischen ihnen legen“, so dass „durch das Verhältnis zwischen den Dingen, langsam eine umfassende Konstellation hervortritt“.(Ebenda, 20, 22.) Ist es möglich, durch den Vorgang des Malens hindurch jeden Pinselstrich oder jede Schattierung der Tusche so zu behandeln, dass sie sich wie beim „automatischen Schreiben“ vollziehen oder so, dass sich aus einem Strich der nächste auf natürliche Weise ableitet und sich das Bild schließlich „selbstgängig“ vollendet? Jiang Sanshi ist eine Künstlerin, die so versucht, zusammen mit der Natur schöpferisch zu arbeiten. Das Kunstwerk entsteht, während sie sich in der Natur aufhält und die körperliche Erfahrung des Augenblicks, den sie schenkt, mit Pinsel und Tusche auf das Papier zu übersetzt.

„Die derart organisch wachsende Bildfläche ist sowohl konkret als auch abstrakt, ist sowohl dieses als auch jenes. Indem ich mich darin aufhalte, bin ich davon überzeugt, dass das Sein dieser Dinge ursprünglich genau so gewesen ist.“(Ebenda, 26.) Diese Betonung des Verhältnisses der Dinge zueinander ist ein Ausdruck dafür, dass die Malerin ihre Wachsamkeit weniger der äußeren Erscheinung der Dinge zuwendet als der Suche nach latenten Zuständen der Natur. „Im Vergleich zur gesetzmäßigen Anordnung senkrechter und waagrechter Linien, mit denen ich im Eppsteiner Wald zu tun habe, sind die Linien am Orchideenbach voll von wilder Gewundenheit und sprunghafter Bewegtheit. Jeder Ausschnitt, vergrößert betrachtet, ist ein Werk für sich, jedes Detail kann zu einem grenzenlosen Raum schöpferischer Arbeit werden.“ (Ebenda, 32.)

Gerade weil sie in der Natur wartet, weil sie darauf wartet, dass die vielfältigen natürlichen Veränderungen der Luft, der Feuchtigkeit, des Sonnenlichtes und des Windes sie durchdringen, ist sie fähig, in ihrem Verhältnis zur Natur jene Verhältnisse der Dinge freizusetzen, die unter der Oberfläche der Dinge verborgen sind: die subtile und mikrologisch kleine Welt unentwegt Leben gebärender und nährender Triebkräfte. Jiang Sanshis Arbeit konzentriert sich auf nicht durch Gewohnheit beeinträchtigte und festgefahrene Wahrnehmungen.

Licht und Atem

Jiang Sanshi wird oft gefragt, warum sie ohne Farbe malt. Beim Meditieren wurde ihr deutlich, dass die Welt ihrer Malerei „vom Tasten und Berühren herkommt. Es ist ein Vorgang wie das sprichwörtliche Tasten einer blinden Person nach einem Elefanten. Ich male nicht, was ich vor mir sehe, sondern ein Wesen, das nach und nach geformt wird, während der Pinsel das Papier berührt.“ Diese Art des Malens basiert nicht auf dem Sehen, sondern wird durch einen eigentümlichen Malvorgang konstituiert, bei dem die Malerin in die Natur eintaucht und Veränderungen der Wahrnehmung sorgfältig aufnimmt. Sie sagt weiter: „Das Verhältnis zwischen den Dingen besteht nur aus Textur und Raum. Der Tastsinn kann keine Farbe wahrnehmen. Deshalb verwende ich keine Farben.“ Das so verstandene Malen ist eine kommunikative Resonanz, bei der sie höchst empfindlich auf die fließenden Bewegungen der Wahrnehmung antwortet. Das führt nicht nur dazu, dass ihre Arbeit keine äußeren Dinge darstellt, sondern auch dazu, dass sie ihre Sinne öffnet, um der Sprache der Dinge durch

die Malerei Kommunikationswege zu erschließen: „Ich kann nur wahrheitsgemäß aufzeichnen, was ich im gegenwärtigen Moment wahrnehme. Ich weiß um nichts anderes.“(Jiang Sanshi, „Eine andere Weise des Sehens” (unveröffentlicht). Sie versucht, die Malerei zu einem Ausdruck der „Gegenwart“ zu machen: der Gegenwart, so wie sie ist.

„In diesem schöpferischen Gebärvorgang ist Tusche wie ein durch Atemwandel ins Leben kommender Rohstoff. Wenn Atem sich verdichtet, entsteht Form. Die Veränderung von Dichtem und Fadem ist wirklich das Prinzip des Lebens und Vergehens der zehntausend Dinge. Deswegen sind die ‚Farben der Tusche‘ keine Farben.“ Die Farben der Tusche sind ein Sein, das beim Vorgang der „Verdichtung von Atem“ entsteht. Jiang Sanshi betont: „Die Dinge im Bild wachsen aus dem Faden ins Dichte und aus dem Inneren ins Äußere, aber sie können nicht von einer fertigen Form her zurückverfolgt werden, so wie ein Umriss zuerst gezeichnet und dann mit Farbe ausgefüllt wird.“ Für sie sind die Farben der Tusche, die aus der „Verdichtung von Atem“ entstehen wie das Wesen des Seins, das sich offenbart. Demgegenüber ist „das Hinzufügen von Farbe wie als würde eine Farbschicht auf die Oberfläche eines Dinges auftragen, die aber ohne Verhältnis zu dessen Wesen bleibt.“(Ebenda.) In diesem Zusammenhang ist eine Entdeckung wichtig, die Jiang Sanshi über die Bedeutung das „Weißlassen“ ( 留白) in ihren Bildern gemacht. Für sie ist „Weißlassen“ etwas sehr anderes als „Weißmalen“ (also das Auftragen von Weiß wie es in Öl- oder Aquarellmalerei üblich ist). Zur Erläuterung zieht sie folgenden Vergleich: Zwischen dem Malen eines weißen Gegenstandes und dem worauf das Weißlassen verweist, besteht der Unterschied von visuellem Sinn und leiblichem Spüren. Ersteres, das „Weißmalen“, fügt das „Aussehen“ von Weiß hinzu und ist ein „Tun“, das die Umrisse eines Bildes mit Weiß erzeugen kann. In diesem Sinne rührt es vom „visuellen Sinn“ her. „Weißlassen“ hingegen ist die Leere, die nach dem Auftragen der Tusche beim Malen zurückbleibt. Es ist eine Art „Auflösung“, die sich nach einem „zurücktretenden Lassen“ ergibt: „durch den Kontrast zum Schwarz im Bild werden die unbemalten Teile dünner und ziehen sich in Verborgenheit zurück“.(Jiang Sanshi, „Weißmalen und Weißlassen” (unveröffentlicht).) Die „Schlucht-Geist“ genannte Bilderserie „entsprang aus der Begeisterung für die kommunikative Verschränkung von Licht und Atem in der Schlucht. Nachdem ich diese lange betrachtet hatte, konnte der Pinsel in meiner Hand nicht anders als diese Bewegung aufzunehmen und mitzuschwingen. Wie lässt sich das, was ich in der Schlucht sehe und fühle durch Tusche und Pinsel übersetzen?“ Die Serie „Schlucht-Geist“ hat sich von daher aus der Erfahrung des Malens am Orchideenbach entwickelt. Diese beschreibt sie weiter: „Wie kann ich die in der Schlucht erfahrenen Gedanken und Gefühle in frei fließende und sich vielfach wendende Pinselbewegungen verwandeln? Denn ein jeder Strich ist nicht die Darstellung oder Nachahmung eines Gegenstandes, sondern ist selber ein Sein mit Seele und Gefühl, ist die Wirklichkeit eines jeden Augenblicks.“ An der Verwirklichung einer solchen Herangehensweise arbeitet sie ständig. Die Verfasserin ist der Auffassung, dass die Beantwortung der Frage, wie eine Malerin das, was sie sieht und fühlt, in die Sprache von Pinsel und Tusche übersetzen kann, auf zwei Ebenen erfolgen sollte.

Die erste Ebene ist die bereits erwähnte Übersetzung von in der Schlucht erfahrenen Gedanken und Gefühle in den gegenwärtigen Augenblick frei fließender Pinselbewegungen. In diesem Sinne sagt Jiang Sanshi zu dieser Serie: Ihre „Hauptachse ist der Gebrauch des Pinsels für Linien und Striche“, die es dem „Pinsel“ ermöglichen, zum „Körper“ zu werden und der „Tusche“, „Rhythmen“ zum Ausdruck zu bringen: „Der Körper versetzt mein Atemfeld in Bewegung, um in der Gegend des weißen Papiers die Spuren des Schlucht-Geistes zu hinterlassen.

Dieser kann das Flimmern und Kreisen des Lichts auf dem Papier sein, oder feiner Wasserdunst, der dampfend von der Erde aufsteigt, oder ein plötzlich in der Ferne nachklingender Vogelruf, oder ein Herabsinken, das sich in die ruhige Stille eines Steins verwandelt.“ Die Serie „Schlucht-Geist“ verwirklicht abstrakte Gestalten der Verdichtung des Atems: sie folgt den fließenden Bewegungen und dem flüchtigen Wandel des schattigen und des lichten Atems, sie tanzt mit den wundersamen Veränderungen, die das Wetter bringt, und sie vollendet sich in aus

anarchischer Leere entspringendem Atemwandel.

Die zweite Ebene sind die „geistigen Begegnungen“, auf die sie in der Schlucht wartet: „Das Kommen und Gehen im Verhältnis zum Schlucht-Geist ist eine geistige Begegnung, die mich anspricht und freudig zum

Lächeln bringt. Die zu Bildern gewordenen weißen Papierblätter sind Erinnerungen an etwas, was mit mir geschehen ist, aber während des Malens keineswegs deutlich erkennbar war.“ Diese Freude der Begegnungen mit dem Schlucht-Geist, lässt sich kaum in Worte fassen. Jiang Sanshi sagt dazu: „Die Striche und Linien sind zuweilen in unvorhersehbarer Veränderung begriffen, zuweilen fremd, schroff und unverständlich, wie ja auch Gemütszustände und Gedanken sich fortlaufend kehren und wenden wie Wind und Wasser. Dabei mögen sie ein kindliches Herz hervorkehren, oder Bewegungsgesetze von Himmel und Erde, oder Besinnung und Gespür dafür, dass alle Bilder Nicht-Bilder sind.“(Jiang Sanshi, „Schlucht-Geist“ (siehe das Vorwort zu diesem Band).) Diese Selbstreflexion bewegt sich von der sichtbaren Welt auf der ersten Ebene zum unsichtbaren „Wegherz“ ( 道心).

Der Weg des Leerens und Lassens

Im sechsten Kapitel des Laozi heißt es: „Schlucht-Geist nicht sterben, / dies heißt Geheim-Gebärendes. / Des Geheim Gebärenden Tür, / dies heißt Himmel-Erdens Grund.“ Schlucht-Geist bedeutet die Quelle der Lebenskraft, die Himmel, Erde und die zehntausend Dinge nährt und bildet. „Eine Bergvertiefung wird Schlucht genannt und das bezieht sich auf ihre Leere; Veränderung und Bewegung ohne Einschränkung wird Geist genannt und das bezieht sich auf deren Beseelung. Nicht zu sterben bedeutet, klar und nicht trübe zu sein.“ (Kommentar zu Laozi 6 in: Huang Yuanji/ 黃元吉, Kommentare zum Daodejing ( 道德經註釋). Siehe https://ctext.org/wiki.pl?if=gb&chapter=206549 (letzter Zugriff 1.12.2024).) Durch die Leere der Schlucht werden die Spuren des Atemwandels in ihrer sich ständig verändernde Dynamik offenbar. Darauf verweist die Malerin, wenn sie von den „Regeln der Bewegung von Himmel und Erde“ spricht und davon, dass „alle Bilder Nicht-Bilder“ sind, wie sie mit Bezug auf das Diamant-Sutra sagt. Das ist auch die Art und Weise, in der die Malerin der kreativen Methode der „Teilnahme am schöpferischen Wandel“ nachgeht, die andauernd über Sinn und Absicht hinausgeht, die von Menschen gesetzt werden

Jiang Sanshis Malerei weist durch das „Weißlassen“ auf eine „Abwesenheit, die nach der Verdichtung des Atems im Schwarzen übrigbleibt“. Es ist eine Art „Auflösung“, die sich nach einem „zurücktretenden Lassen“ ergibt. Es ist auch eine Art „Nichttun“: ein „leibliches Spüren“, das „ein Zustand des Nichttuns inmitten eines diffusen Wirrwarr“ ist.

Für Fabian Heubel sind „Laozis Schlucht und Platons Höhle zwei unterschiedliche philosophische Bilder.

Die in Platons Höhlengleichnis enthaltene Ontologie der Sonne und des Lichts kann durch die Ontologie des Atemwandels, auf die das Bild der Schlucht bei Laozi verweist, auf neuartige Weise reflektiert werden.“ Der Philosoph Martin Heidegger ließ sich von den Philosophen Laozi und Zhuangzi dazu anregen, die antike griechische Literatur neu zu lesen und hat auf diese Weise einen Durchbruch in Richtung der transkulturellen Reflexion auf das traditionell westliche Verständnis von Wahrheit eröffnet, das durch die herausragende Bedeutung von Sonne und Licht charakterisiert ist. Das führt zu folgender Überlegung: „Wenn die Höhle ein Regime der Wahrheit ist, bezieht sich die Schlucht auf eine anderes Regime der Wahrheit.“(Fabian Heubel, „Die paradoxe Selbigkeit von Verborgenem und Unverborgenem: Wie Heidegger durch Laozi hindurch Platon und das vorsokratische Denken neu gedeutet hat“, Social Sciences, Nr. 6, 2024, Shanghai Academy of Social Sciences, 28 (Chinesisch). Laozis „SchluchtGeist“ ist unsterblich, weil er durch das Leerlassen der Schlucht zu einem Raum des Atemwandels wird, in dem sich eine geistige „Veränderung und Bewegung ohne Einschränkung“ vollenden kann. Das entspricht dem „Weißlassen“ in Jiang Sanshis Bildern, das nicht der sichtbare Raum des „Weißmalens“ ist. Das „Weißlassen“ lässt sich erläutern durch das „Leeren des Selbst“, das im Kontext des „Fastens des Herzens“ bei Zhuangzi genannt wird und durch einen Zustand des „Vergessens“, dem wir uns durch das „Ablassen von Form und Wissen“ annähern können. Diese Art der Wahrnehmung, die durch die Gestaltungen einer Ästhetik des Atemwandels berührt wird, drückt eine sich ständig verändernde Gegenwart aus. Es ist ein Regime der Wahrheit, das auf das gebärende Atmen der Natur zu antworten vermag und somit eine eigentümliche Quelle der Kreativität eröffnet.

Schließlich unterscheidet sich die „Schlucht-Geist“-Serie auch in ihrer Form von früheren Serien, da sie vielfach die Form eines Doppelbildes annimmt. Die Lücke und Diskontinuität zwischen den beiden Blättern kommt dem nahe, was bei Laozi „fortlaufend fortlaufend wie anwesend, / gebrauchen sie [Schlucht und Geist] nicht ermüdend“ genannt wird. Denn die Leere der Schlucht ist nicht zu ermessen. Sie vermag die zehntausend Dinge zu gebären und zu nähren und wird zu einem Ort natürlichen Ohnetuns. Darin können wir der Malerin folgen: „Der Begriff des Weißlassens ist es leere Zwischenräume zu lassen. Das Weiß (die Leere), das auf diese Weise zugelassen wird, eröffnet diesen Raum, um zu gären, sich zu verändern und zu atmen. Es erlaubt auch den Übergang vom Ohne zum Mit und der Prozess der Verwandlung von Leere in Fülle vermag sich dort zu vollziehen. Genauer gesagt ist das Weiß, das so sichtbar wird die Abwesenheit von Schwarz, das Leeren der Tusche oder der Wandel der Tusche im Leeren. Es gibt keine klaren Grenzen, und Wasser (ohne Farbe) und Tusche (mit Farbe) stehen fortwährend in einem bewegten Verhältnis wechselseitiger Durchdringung und Vermischung.“ Um Jiang Sanshis Bilder schätzen und wahrnehmen zu können, ist das Verständnis dieser Methode des „Weißlassens“ nötig. Denn darin wird die Leere durch den Atemwandel gemalt. Dieser verwirklicht den

schöpferischen Wandel von Himmel und Erde und folgt einem natürlichen Fluss, der unentwegt Leben gebiert.


Übersetzung: Fabian Heubel